Projekt: Die Erhaltung der Wappenschilder der Elisabethkirche

Foto: Bernhard Dietrich

Foto: Bernhard Dietrich

Die über 60 sichtbaren Wappenschilde in der Elisabethkirche sind bedeutsame Kunstschätze. Weitere 40 verbergen sich in verborgenen Gängen oder sind ins Museum ausgeliehen. Während der anstehenden Innenraumerneuerung will sich der Verein Freunde und Förderer der Elisabethkirche dafür einsetzen, dass die europaweit einmalige Sammlung erhalten werden kann und durch sorgfältige Restaurierung den künftigen Besuchern zugänglich gemacht wird.

Insgesamt ist die Elisabethkirche heute im Besitz von 117 Wappenschilden, die aus verschiedenen Epochen zwischen dem 13. und 19. Jahrhundert stammen. Neben dem jeweiligen Familienwappen weisen sie oft auch Jahreszahlen und Inschriften auf. Unter den Wappenschilden befinden sich 73 Originale, und 44 Kopien, die im Zeitraum zwischen 1854-1902 im Zuge einer Restaurierung zur Ergänzung angefertigt wurden. Die ältesten und wertvollsten Exemplare werden als Leihgabe im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte auf dem Schloss aufbewahrt. In der Elisabethkirche selbst befinden sich derzeit 90 Schilde, 30 davon lagern in einem Nebenraum und sind nicht öffentlich zugänglich.

Die Wappenschilde lassen sich in zwei Typen klassifizieren: Zum einen handelt es sich um Schilde der hessischen landgrafen, deren Grablege der Südchor beherbergt. Nach der Bestattung eines Fürsten wurde dessen Wappenschild in der Nähe des Grabmahls aufgehängt. Er sollte nicht nur die Priester des Deutschen Ordens an das liturgische Gedenken erinnern und die Besucher zum Gebet für das fürstliche Seelenheil aufrufen, sondern zugleich den weltlichen Ruhm des Verstorbenen befördern.

Diese Wappenschilde ergänzten also auf gewisse Weise das eigentliche Grabmal. Auch heute noch hängen im Südchor zahlreiche dieser teils äußerst filigran gearbeiteten Erinnerungsmale. Ein besonders eindrückliches Beispiel stellt der große und reich verzierte Schild Landgraf Wilhelms II. (f 1509) dar (Abb. 1). Er ist ein Werk des in Marburg gut bekannten Bildhauers Ludwig Juppe.

Zum anderen setzt sich ein großer Teil des Bestandes aus Schilden der Marburger Deutschor- dens-Ritterbrüder zusammen. Anders als im Falle der Landgrafen dienten diese wohl in den allermeisten Fällen nicht als Totenschilde, sondern wurden aus Anlass des Eintritts in die geistliche Gemeinschaft aufgehängt. Sie dokumentierten also den Übertritt des Adligen aus seinem bisherigen weltlichen in sein neues, nunmehr ganz dem Orden geweihtes Leben im geistlichen Stand.
Die klassische Form eines solchen Schildes aus dem 16. und 17. Jahrhundert lässt sich im Mittelschiff bestaunen: Ein flaches, aus Tannenholz gefertigtes Brett mit aufgemaltem Vollwappen des Adligen sowie der Jahreszahl des Ordenseintritts, bekrönt von einem kleinen .Vordach* (Abb. 2 und 3).
Dass die Wappenschilde der Elisabethkirche von bedeutendem historischen Wert sind, bedarf folglich eigentlich keiner weiteren Erklärungen: Sie bieten nicht nur Einblick in uns heute völlig fremde Praktiken des Totengedenkens und der Erinnerungskultur, sondern stellen als Memorialzeichen des hessischen Landgrafenhauses sowie der regionalen Adels zugleich bedeutende Denkmäler der Landesgeschichte dar. Ihren Erhalt auch für künftige Generationen zu sichern, ist daher zweifellos eine wichtige Aufgabe.

Leider sind viele Wappenschilde in einem Zustand, der ihrer Bedeutung bei weitem nicht gerecht wird. Zu lange wurde ihnen nicht die gebührende Beachtung geschenkt, sodass der Großteil des Bestandes vermutlich noch nie Bekanntschaft mit einem Restaurator gemacht hat. Dies zeigt sich in Gestalt der vielfach anzutreffenden Schäden an Holz, Farbe und Aufhängung (Abb.4 und 5).
Die anstehende Innensanierung der Elisabethkirche bietet eine einmalige Gelegenheit, diesem Verfall entgegenzuwirken, denn während der Arbeiten an den Wandflächen müssen die Schilde aus zum Teil enormer Höhe ohnehin abgenommen werden. Die Kosten für die Sanierung der Wappenschilde sind komplett von der Gemeinde zu tragen, da es sich um bewegliche Gegenstände handelt und diese nicht unter den Patronatsvertrag fallen. Mit Zuschüssen der Landeskirche oder des Kultusministeriums kann höchstens in geringem Umfang gerechnet werden.

Da für die Wiederherrichtung eines einziges Schildes - je nach Schadensbild und Aufwand - ein Betrag zwischen 600 und 1.200 Euro veranschlagt werden muss, benötigt die Gemeinde für die Restaurierung sämtlicher heute in der Elisabethkirche verwahrter Wappenschilde voraussichtlich eine Gesamtsumme von ca. 75.000 Euro, die fast vollständig von Spenden getragen werden muss.
Ohne Ihre Hilfe ist das nicht zu schaffen: Wir würden uns freuen, wenn auch Sie einen Beitrag zum dauerhaften Erhalt der Wappenschilde leisten könnten!
 

Ein Wappenschild in dringend restaurierungsbedürftigem Zustand

Schild des Deutschordensritters Volpert von Schwalbach, gefertigt anlässlich seines Ordenseintritts 1516